Stellungnahme zur Sendung von STRG_F

Hamburg, den 08.03.2018

Liebe Dialoger*innen, liebe Kollegen*innen liebe Bewerber*innen,

hello beschäftigt im Jahr ca. 350-400 Dialoger*innen. In der gesamten Branche bieten Fundraisingagenturen deutschlandweit jedes Jahr mehr als 7000 Studentinnen und Studenten einen Ferien- und Nebenjob. Durch die tägliche Herausforderung am Infostand werden jährlich mehr als 400.000 Förderinnen und Förderer gewonnen. Wir überzeugen Menschen von der guten Sache im direkten Gespräch. Das ist unser Job – so nervig wie wir am Infostand auch manchmal sein mögen. Weltweit gibt es Menschenrechtsverletzungen, Umweltschäden und Tierrechtsverletzungen, die nur von engagierten Menschen aufgehalten werden können. Durch unsere Arbeit können wir diesen Menschen helfen, Probleme aufzudecken und verhindern. Mit diesem Hintergrund sind wir gerne bereit, Menschen in Fußgängerzonen anzusprechen, ehrlich aufzuklären und vor allem als freiwillige Unterstützer*in, Förderin und Förderer oder sogar als Pate*in zu gewinnen.

Im Januar 2018 haben wir erfahren, dass sich ein Mitarbeiter des NDR vom Format Strg_F, rechtswidrig bei hello als undercover Dialoger beworben bzw. für hello tätig gewesen ist. Unser Führungsteam hat im Fundraising- Bereich knapp 30 Jahre Erfahrung und uns ist bewusst gewesen, dass die investigativen Formate natürlich davon leben, wirklich etwas Gravierendes aufzudecken. Da uns nicht die Möglichkeit gegeben wurde, persönlich mit dem Journalisten zu sprechen, ist es unser Wunsch gewesen, die Berichterstattung zu stoppen.

Wir möchten mit der Veröffentlichung der Reportage offen und transparent umgehen. Gerne beziehen wir zu den einzelnen Punkten aus dem Video vom 06.03.2018 Stellung.

Allgemeines

Die Reportage enthält aus unserer Sicht keine neuen Informationen zum Face-to-Face Fundraising. Es ist eine Reportage, die genau ihren Zweck erfüllt. Fundraising nur aus einem Blickwinkel zu beleuchten. Wir sind absolut nicht damit einverstanden, dass die Tätigkeit unserer Dialoger*innen, die jeden Tag ihr Bestes geben um anderen Menschen zu helfen, sich in der Reportage negativ auf unsere Partnerorganisationen auswirkt. Unsere Partnerorganisationen helfen Menschen auf der ganzen Welt, nachhaltig und wirkungsvoll – ein Vergleich zu Arbeitsbedingungen in Deutschland verbietet sich. In Deutschland leben wir frei, können unseren Job frei wählen und leben in einem der stärksten Sozialsysteme der Welt.

Die Reportage zeigt im wesentlichen Dinge, die wir offen und ehrlich kommunizieren. Unsere Dialoger*innen durchlaufen im Vorfeld der Tätigkeit ein Telefoninterview und einen Bewerbungstermin. Jede/r Mitarbeiter*in erhält im Vorfeld alle Informationen schriftlich – Informationen zur Tätigkeit, harte und positive Seiten im Job, Bezahlungsmodelle, Qualitätsrichtlinien und auch die Information, wie wir als Agentur von unseren Partnerorganisationen bezahlt werden. Die hier „aufgedeckten“ Informationen sind keine Geheimnisse und auch nicht „krass“ wie in der Reportage betitelt.

Um die Reportage positiv zu nutzen, gehen wir ins Gespräch mit dem NDR um die Reportage in unseren Bewerbungsterminen für Dialoger*innen in Zukunft zu nutzen. Es werden sehr gut die harten Fakten im Job genannt und wir haben damit die Chance, die Härte und auch die Anforderungen des Jobs noch etwas mehr zu verdeutlichen.

Wir würden uns wünschen, dass Vorurteile ehrlich angesprochen und neutral dargestellt werden. Für den Journalisten mag es eine Befreiung gewesen sein, nun wieder im Warmen und Trockenen zu sitzen – unsere Dialoger*innen sind täglich im Einsatz um Menschen zu helfen, die diese Chance nicht haben

Bezahlung & Arbeitszeit

Jeder Dialoger erhält ein Tagesfixum von 70,72 EUR als Basisbezahlung zzgl. Prämien. Wie in der Reportage korrekt dargestellt, ist es unser Ziel Förderinnen und Förderer ab 30 Jahre zu gewinnen. Förderinnen und Förderer ab 30 Jahre spenden länger und regelmäßiger an ihre gewählte Organisation. Und unsere Aufgabe ist es, langfristige freiwillige Förderinnen und Förderer zu gewinnen. Praxistage werden – wie jeder/m Dialoger*in bereits im Vorfeld bekannt ist, mit 30,00€ vergütet.

Der Arbeitstag hat 8 Arbeitsstunden und ist von 10-20 Uhr. Innerhalb dieser Zeit stehen jeder/m Dialoger*in 2Std Pause zu, die er/sie sich selber einteilen kann. Generell kann allerdings der Arbeitstag auch auf 10 Arbeitsstunden zzgl. Pause ausgedehnt werden. Das ist – wie in jedem Betrieb – jederzeit nach Bedarf möglich. Überstunden werden, sollten diese wirklich anfallen, bezahlt. Eine Unterschreitung des Mindestlohns ist nicht möglich.

Nachschulungen

In der Reisekampagne sind alle Nachschulungen freiwillig und müssen nicht wahrgenommen werden. Das wird in dem veröffentlichen Video auch bei Minute 8:10-8:25 bestätigt. Ein Großteil unser Dialoger*innen nimmt die Möglichkeit der Nachschulung in Anspruch. Die Information, dass nachgeschult werden kann, ist auch Thema im Bewerbungstermin und wird offen kommuniziert. Der Job als Dialoger*in in der Reisekampagne ist anstrengend und ist teilweise gefühlt ein 24Std Job. Das liegt allerdings vor allem an dem Teamleben, dass am Abend in der Ferienwohnung stattfindet. Das Dialoger am nächsten Arbeitstag auch mal müde sind, liegt wohl eher daran, dass die Teams im Regelfall zwischen 18-24 Jahre alt sind und es eben dazu kommt, dass diese niemand ins Bett schickt.

Autounfälle

Es gab bei hello im Jahr 2017 2 Autounfälle, die sich auf sehr hohe Parkhausschäden beziehen. Aus diesem Grund sind alle Fahrzeuge vollkaskoversichert. Dazu kommen lediglich kleine Ein/Ausparkschäden, die dann eine kleine Delle oder Kratzer mit sich bringen. Die Behauptung, dass es bei hello vermehrt zu Unfällen kommt, ist nicht korrekt.

Autofahrt

Die Fahrt von der Ferienwohnung zum Einsatzort gilt nicht als Arbeitszeit. Fahrtwege vom Wohnort zur Arbeitsstätte gelten generell in Deutschland nicht als Arbeitszeit. Es liegt auch im Interesse von hello, dass die Fahrtwege 45min pro Fahrt nicht überschreiten.

Qualität

Jeder Passant wird über sein Widerrufsrecht informiert. Das ist auch ein ganz klares Thema in unseren Schulungen und auch in der Teamleiterausbildung. Hier widersprechen wir der Reportage. Es gibt zudem keine Schulung mit dem Hintergrund, Passanten mit sexuellen Anzüglichkeiten in ein Werbegespräch zu locken. Sicherlich gibt es durch einzelne Dialoger den Versuch, äußerst charmant zu sein und in diesem Rahmen kann es dazu kommen, dass ein Dialoger mit seinem Spruch über die Strenge schlägt. Sobald wir davon erfahren, gibt es Nachschulungen und sollte die Qualität leiden, wird die betreffende Person umgehend gekündigt.

Weitere Informationen aus dem Video

  • persönliche Daten der Bewerber werden im Vorfeld nicht gecheckt und das wollen wir auch nicht! Wir erwarten ehrliche Bewerber und gehen auch jederzeit ehrlich mit ihnen um.
  • Gesprächsleitfaden wird im Vorfeld geschickt – JA! Wir versenden im Vorfeld Gesprächsleitfäden und Informationen über die Organisation. Damit geben wir allen neuen Dialogern eine Starthilfe und Sicherheit für die ersten Gespräche. Es steht jedem frei, diese Leitfäden für sich selber im Laufe der Tätigkeit anzupassen.
  • Erste Schulung dauert 6 Stunden bis 23:30 Uhr am Abend: Ja, es gibt eine unvergütete Starterschulung und diese beginnt am Sonntag, sobald das Team die Ferienwohnung bezieht. Dass die Informationen zu der Organisation dürftig sind, können wir nicht bestätigen, da es im Vorfeld Informationen gibt und wir darauf hinweisen, dass sich bitte jede/r neue Dialoger*in über seine bzw. ihre Organisation auf der Fahrt zum Einsatzort belesen sollte. Im Laufe der ersten Einsatztage wird dieses Wissen vertieft.
  • Tabuwörter: Ja, es gibt Wörter, die ein Dialoger*innen nicht verwenden sollte um mehr Vertrauen in das Gespräch zu bringen und um es „aufzulockern“. Das Beispiel „IBAN der Schreckliche“ ist aus unserer Sicht eher lustig.

Kündigung des Vertrages der KNH

Die Information, dass die Kindernothilfe den Vertrag mit hello gekündigt hat, ist nicht korrekt. hello hat aufgrund einer Vertragsanpassung für das Jahr 2018 den Vertrag mit der Kindernothilfe fristgerecht zu Ende Dezember 2017 gekündigt. Für das Jahr 2018 gab es keine neuen Gespräche, da unser Ansprechpartner die Organisation verlassen hat.

Hamburg, 08.03.2018
Tobias Stückroth
Geschäftsführung